Wandern auf dem Bohusleden

Man sagt, dass die Wahrscheinlichkeit, in Schweden auf eine Schlange zu treffen, wesentlich geringer ist, als auf einen Elch zu treffen. Vor unserer Reise war uns nicht klar, dass wir den Gegenbeweis antreten würden.

Bereits im Frühjahr machten wir uns daran, unsere Ausrüstung für Schweden zusammen zu stellen. Für unsere erste größere Wandertour hatte Dennis den Bohusleden in der Nähe von Göteborg ausgesucht, ein Wanderpfad mit knapp 360 km Länge, aufgeteilt in 28 Etappen (= 28 Tage).  Da wir nur eine knappe Woche mitgebracht hatten, wollten wir nur ein paar Etappen laufen, ohne, dass wir uns ein festes Ziel vorgenommen hätten. Am Ende sind es doch ein paar Kilometer mehr geworden, was nicht nur daran lag, dass wir ein paar Mal vom Weg abkamen.

Bohusleden in Schweden

Abmarsch in Stensjön

Eigentlich wollten wir ja – typisch deutsch – bei der ersten Etappe starten. Als Neuwanderer wussten wir allerdings nicht, wie bekannt und wie gut bzw. schlecht die Etappen-Startpunkte für den Bohusleden sein würden. Die Einheimischen konnten mit dem Bohusleden schon mal nichts anfangen, wobei wir uns sicher sind, es gar nicht sooo falsch ausgesprochen zu haben. Mehr Glück hatten wir in Stensjön bei einer Touristen-Info, die uns zumindest den Startpunkt für Etappe 2 zeigen konnte. Sie empfahl uns außerdem unser Auto im Herkulesgården zu parken, da auf den typischen Touristenparkplätzen die Autos gerne mal aufgebrochen werden.

Obwohl uns die 6 stündige Autofahrt bereits in den Knochen steckte, war die erste Etappe doch recht entspannt. Ein bisschen bergauf, ein bisschen bergrunter. Genug Zeit, um uns langsam an die Rucksäcke mit 16 und 19 kg zu gewöhnen. Eine Ringelnatter, die unseren Weg kreuzte, gab uns die erste Bestätigung, dass wir in der Natur angekommen waren. Dann musste ja auch bald der Elch folgen, oder?

Gegen Abend kamen wir an einen See mit kleiner Insel, den Stora Delsjön, wo wir dank des in Schweden geltenden Jedermannsrecht unser erstes Nachtlager aufschlugen. Während die letzten Schweden sich auf der anderen Seite des Sees lautschreiend und an Seilen hängend in Wasser fallen ließen, krochen wir in den Schlafsack. Die Anreise war anstrengend und wir wussten ja, dass die nächsten Tage noch viel Fußweg bedeuten würden.

Am zweiten Tag betrat Nicole Neuland: Baden bzw. Waschen im See. Es war zwar ziemlich kühl und wir fühlten uns doch sehr von einer Entenfamilie beobachtet, aber Körperhygiene ist auch auf einer Wandertour wichtig. Nass sollte es auch später wieder werden, denn schon beim Frühstücken fing es an zu nieseln und steigerte sich bald zu dauerhaftem Regen. Macht nichts, so konnte dann auch das Regencape für den Rucksack ausprobiert werden. Nach nur 20 Minuten erreichten wir unser erstes Etappenziel Skatås und Dennis ärgerte sich ein kleines Bisschen, dass wir nicht am Abend noch ein paar Meter weiter gegangen sind. Kurz nach Skatås gibt es nämlich einen super Schlaf- und Grillplatz mit Blick auf einen kleinen, etwas abgelegeneren See.

Schwedens Berge und Mücken

Die dritte Etappe von Skatås nach Kåsjön war dann relativ schwer. Es ging fast ausnahmslos bergauf, wir mussten ordentlich klettern und die Steine waren rutschig durch den Regen. Auch hier wieder kein Elch in Sicht – allerdings auch keine Schlange. Froh waren wir zwischendurch immer wieder darüber, dass wir uns vor dem Trip mit einigen Müsliriegeln eingedeckt hatten. Gegen Mittag erreichten wir den Stora Kåsjön und beschlossen den Rest des Tages an diesem beliebten Badesee zu verbringen. Das stellte sich auch als klug heraus, denn der nächste Tag sollte so ziemlich der Anstrengendste für uns alle werden.

Ankunft am Stora Kåsjön

Bei strahlendem Sonnenschein und gefühlten 30 Grad machten wir uns am nächsten Tag wieder auf den Weg. Durch Sumpfgebiet und über rostige Holzplanken, begegneten wir zwei weiteren Schlangen, aber auch sonst war die Etappe recht spannend. Spätestens hier hatten wir eigentlich erwartet, dass Schweden nun seinem Ruf gerecht wird. Denn als wir von unserem Trip erzählten, bekamen wir immer wieder Sätze wie „Uuuhhh, da wurde der Mann einer Bekannten meiner Arbeitskollegin [hier jede beliebige, nicht so nahestehende Person einfügen] so richtig von den Mücken zerstochen“. Aber von einer Mückenplage merkten wir auf unserem gesamten Schweden-Trip nichts. Ob es nun am DEET oder an den sommerlichen Temperaturen der letzten Wochen lag wissen wir nicht. Aber wir waren froh darüber.

Wie auch schon den Tag zuvor erreichten wir gegen Mittag das Etappenziel Jonsered. Es stellte sich allerdings heraus, dass wir dort an diesem herrlichen See mit Hund nicht würden übernachten können. Wir zogen also weiter, auf der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. Entgegen aller Erwartungen ist Schweden kein bisschen flach – Dennis stellte treffend fest:

„Wer in Schweden zu einem See will, muss erstmal bergauf laufen.“

Also ging auch der Rest der Strecke natürlich bergauf. Zitat Nicole: „bestimmt 50 Meter oder höher“. Auf einem Felsen mit grandioser Aussicht machten wir eine Mittagspause und überlegten wie es weiter gehen sollte.

Blick auf den See Aspen bei Jonsered

Da wir drei noch fit und total motiviert von dem schönen Wetter waren, wollten wir weiter ziehen. Der Weg führte uns durch Wald. Durch sehr viel Wald. Teilweise war es sehr schwer, gleichzeitig zu klettern und die Äste im Auge zu behalten. Zum Glück kamen wir irgendwann im Wald durch ein Sumpfgebiet und schließlich zu einem See, wo wenigstens Moe sich abkühlen und wir unsere Wasservorräte auffüllen konnten. Aber wir wussten: im Wald wollten wir nicht schlafen. Moe wurde von den Zecken nahezu aufgefressen und wir von den anderen Viechern geplagt – zwar keine Mücken, aber es war dennoch nervig.

Wir gingen an dem Tag insgesamt ca. 24 km. Am Anfang der 5. Etappe in Angered Kyrka angekommen gab es nämlich auch keinen See. Also ging es weiter. Dabei lernten wir noch eine Lektion:

„Wer zu doof zum Hinweise lesen ist, verläuft sich“

Also zurück den Berg hoch und weiter. Moe war fertig, wir waren fertig, die Beine geschwollen, der Rücken tat weh. Trotzdem wurden wir am Ende belohnt: ein toller Badesee Namens Stora Mölnesjön mit Strand und Idylle. Hier konnten wir endlich bleiben. Am Abend gab es Couscous und endlich eine Abwechslung zum Wasser: eine aufgelöste Vitaminbrausetablette. Was für ein Geschmackserlebnis! Den Elch suchten wir aber weiterhin vergeblich.

Am nächsten Tag hatte Dennis Geburtstag und wir erholten uns den Vormittag über. Das Geburtstagsgeschenk, eine Lakritztüte, war innerhalb von Minuten verputzt und Nicole freute sich über 200 Gramm weniger Gepäck. Am Nachmittag beschlossen wir uns noch ein mal aufzuraffen und bis zum Campingplatz bei Kungälv kurz vor Ende von Etappe 6 zu wandern. Als Belohnung wartete auf uns eine heiße Dusche.  Am letzten Tag kehrten wir wieder zurück in die Zivilisation.  Das erste Schokoeis nach 5 Tagen: super lecker! Und auch die Cola war eine willkommene Abwechslung zum Seewasser aus der Wasserblase, genauso wie ein Besuch der Bohus-Festung.

Zurück ging es dann mit dem Bus nach Göteborg und anschließend mit der Tram in Richtung Stensjön. Nach einer weiteren Stunde Fußmarsch erreichten wir unser Auto, dass tatsächlich von Gelegenheitsdieben verschont blieb, dafür allerdings aufgrund einer während unserer Tour errichteten Baustelle beinahe abgeschleppt worden wäre. Puuh, Glück gehabt.

Unser Fazit

Unser Trip durch Schweden hat sich den Titel „Wundertrip“ auf jeden Fall verdient. Die Landschaft Schwedens ist, obwohl nur wenige hundert Kilometer von Deutschland entfernt, einfach beeindruckend. Auf dem Pfad kommt man wunderbar zur Ruhe und kann die Natur in vollen Zügen genießen. Wir werden definitiv wiederkommen, allerdings nicht so schnell. Denn zum Wandern und Klettern gibt es ja auch ein paar schöne Ecken in Süddeutschland, Österreich und der Schweiz.

Fitness-Faktor: ★★★☆☆
Wow-Faktor: ★★★☆☆
Spaß-Faktor: ★★☆☆☆
hundefreundlich: ★★★★☆
Wundertrip: JA

Über wundertrips

Moin! Wir sind Nicole (30), Dennis (34) und Moe (ca. 56, in Hundejahren) und auf der Suche nach den schönsten Plätzen dieser Welt, den Wundertrips. 500 Stück sollen es werden, bevor wir alt und grau sind. mehr erfahren

5 Gedanken zu „Wandern auf dem Bohusleden

  1. Hi
    Schön zu lesender Bericht, Wir laufen im August dieses Jahres auch mal wieder auf dem Bohusleden.
    Gruß
    Detlef aus Ritterhude in Norddeutschland

  2. Schön zu lesen und schickes Seitendesign. Ich werde auch im August, gemeinsam mit meiner Freundin, den Bohusleden bestreiten. Allerdings erst ab Etappe 7. Wir wollen zehn Tage wandern. Mal sehen wie weit wir kommen.

  3. Toller Bericht. Wir wollen dieses Jahr auch entlang dem Bohusleden wandern. Habt ihr irgendwelche Tipps wo wir eine passende Karte finden können?

    1. Moin Sophia,
      wir haben unsere Route über http://bohusleden.se/lang/de/ geplant und als wir in der Touristen-Info vor Ort nachgefragt haben, wurde uns auch nur die Internetseite ausgedruckt. Falls es mittlerweile ein Buch oder einen Reiseführer für den Bohusleden geben sollte, würden wir uns freuen, wenn du dich noch mal meldest.

      Viel Spaß auf dem Bohusleden!

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